Der Ausschluss einzelner Banken stelle eine gezielte Behinderung von Mitbewerbern dar, so Helga Hannelore Kümmel, Vorsitzende Richterin am Landgericht Heilbronn. Dadurch geht die Auseinandersetzung um die Nutzung von Geldautomaten in eine neue Runde. Das Landgericht Heilbronn bestätigte gestern eine einstweilige Verfügung gegen die örtliche Sparkasse. Sie hatte ihre Geldautomaten für VISA-Kreditkarten verschiedener Direktbanken gesperrt. Dies untersagte ihr das Gericht nun in einem Urteil.
Bundesweit sperrten rund 50 Sparkassen ihre Automaten für VISA-Kreditkarten von Fremdbanken. Woraufhin einige Banken, darunter die Citibank, ING DiBa und Santander, eine einstweilige Verfügung beantragt hatten. Zuletzt hatte das Landgericht Halle die Position der Sparkassen gestärkt. Nun steht es 4:1 im Streit um die Nutzung von Geldautomaten für die Direktbanken.
Letztem Urteil kommt jedoch besondere Bedeutung zu, da in Heilbronn erstmals nach einer mündlichen Verhandlung ein Richterspruch erfolgte. Die dort ansässige Sparkasse überlegt nun, den Rahmenvertrag mit VISA zu kündigen, wie auf Welt Online berichtet wird. Dann könnte die Sparkasse allerdings selbst keine VISA-Kreditkarten mehr ausgeben und schneidet sich ins eigene Fleisch, da damit auch die eigenen Kunden vergrault werden könnten. Sollte die Sparkasse diesem Gedanken folgend und weitere Sparkassen nehmen sich ein Beispiel daran, könnte es für viele VISA-Karteninhaber demnächst etwas komplizierter werden an Bargeld zu kommen.
Den Sparkassen und Volksbanken ist es wesentlich lieber, wenn Fremdkunden zum Abheben von Bargeld am Automaten die EC-/Maestro-Karte verwenden. Während bei VISA Kreditkarten ein Entgelt von 1,74 Euro bei jeder Abhebung anfällt, so können die Geldhäuser bei den EC-/Maestro-Karten wesentlich höhere Nutzungsgelder berechnen. In der Regel liegen diese Gebühren zur Nutzung von Fremdautomaten bei vier bis fünf Euro. Viele Direktbanken übernehmen indes die Gebühren für die Bargeldabhebung mit der VISA Kreditkarte für ihre Kunden, weil die Direktbanken selbst meist keine oder nur wenige Geldautomaten betreiben.
Obwohl die tatsächlichen Kosten einer Abhebung von Bargeld am Automaten noch geringer ausfallen als die genannten 1,74 Euro, wollen sich die Sparkassen nach dem Abgang vieler Kunden an die Konkurrenz rächen. Sie begründen ihr Vorgehen damit, dass einige Banken, wie z.B. die Santander Consumer Bank, selber für die Abhebung mit der VISA-Kreditkarte von ihren Kunden Gebühren von 5,75 Euro erheben und damit sogar noch Profit aus der Nutzung der Geldautomaten schlagen. Die meisten Direktbanken hingegen berechnen deren Kunden gar keine Gebühren. Diese Karteninhaber können mit der VISA Kreditkarte europaweit, wie z.B. bei der ING DiBa, oder sogar weltweit, wie bei der DKB, kostenlos Geld am Automaten abheben.
Während sich die Sparkassen noch vor Gericht bemühen, gaben die Volksbanken schon wieder einige Automaten frei. Diese stehen allerdings häufig etwas abseits...
Letzte Aktualisierung: 09.12.2008