Kartensicherheit: Tipps im Umgang mit Zahlungskarten

Knapp 200.000 Verbraucher in Deutschland sind im Jahr 2010 Opfer von Kartenmissbrauch geworden. Dabei haben sich die Methoden der Betrüger kaum verändert.

12.05.11
Kreditkartensicherheit

Im Jahr 2010 ist die Zahl der Missbrauchsdelikte bei Zahlungskarten rapide angestiegen. Im zweiten Halbjahr ging die Zahl der Delikte zwar deutlich zurück, was vor allem dem Austausch von neuen und technisch verbesserten Geldautomaten geschuldet ist, doch trotzdem wird die jüngste Veröffentlichung weitere Verunsicherung gegenüber Plastikgeld beim Verbraucher hervorrufen.

Aus dem Bericht „Zahlungskartenkriminalität 2010“ des Bundeskriminalamts (BKA) in Kooperation mit der EURO Kartensysteme GmbH geht hervor, dass es sich bei diesen Delikten insbesondere um die Manipulation von Geldautomaten handelt, um die Magnetstreifen von Girocards (früher ec-/Maestro-Karten) auszuspähen. Diese Art der Datenbeschaffung wird auch als „Skimming“ bezeichnet. Die durch diese Methode gewonnenen Daten werden in der Regel auf Kartendubletten gedruckt, die dann im Ausland an Geldautomaten eingesetzt werden. Der dadurch entstandene Schaden beträgt nach Schätzung des BKA allein bei den Debitkarten rund 60 Millionen Euro. Vermutlich ist die Summe noch deutlich höher. In Deutschland kann man mit diesen Dubletten kein Bargeld am Automaten bekommen, weil hierzulande höhere Sicherheitsstandards gelten: Nur Karten mit EMV-Chip berechtigen zum Einsatz am Geldautomaten.

Die enorme Schadensumme veranlasst nun die Banken zum Umdenken, denn bislang war der Ausgleich des entstandenen Schadens billiger, als entsprechende Gegenmaßnahmen zu veranlassen. Einen großen Anteil der Schadensbegrenzung kann der Bankkunde selbst tragen, indem er gewisse Vorsichtsmaßnahmen trifft:

1. Wenn möglich unterschiedliche Karten am Türöffner und Geldautomaten einsetzen
2. Bestenfalls nur Geldautomaten innerhalb einer Bankfiliale aufsuchen
3. Am Kartenschlitz ruckeln, um dadurch Aufstecksätze zu erkennen
4. Die PIN am Geldautomaten immer verdeckt eingeben (meist ist eine Kamera oberhalb der Tastatur oder an der Decke, z.B. in einer Rauchmelderattrappe, installiert)
5. Limits für Auslandsabhebungen reduzieren
6. Benachrichtigung per SMS bei ausländischen Abhebungen vom Kreditinstitut einrichten lassen (viele Banken bieten diesen Service inzwischen an)
7. Reduzierung der Einsatzmöglichkeiten der Karten nach Risikoländern
8. Grundsätzliche Deaktivierung der Karte für den Einsatz in „Nicht-Chip-Ländern“ (die Bank kann über solche Länder Auskunft geben)
9. Im Missbrauchsfall die Bank unverzüglich informieren, die Karte sperren lassen und bei der Polizei Anzeige erstatten

Die Banken geben schätzungsweise 62 bis 125 Millionen Euro für den Austausch von modernen Geldautomaten aus. Außerdem haben die Kreditinstitute teils eigene Abteilungen im Kampf gegen die Kartenkriminalität eingerichtet, die eng mit der Polizei kooperieren. Die enormen Kosten hierfür könnten die Banken allerdings auf den Kunden in Form höherer Gebühren abwälzen. Ein Grund mehr, auch als Verbraucher Kartenmissbrauch aktiv vorzubeugen.

Einige Banken, so z.B. die Deutsche Bank, setzen das Auslandslimit von Girocards automatisch auf null. Vor einer anstehenden Reise sollte man deshalb die Bank kontaktieren, und das Limit gegebenenfalls zeitlich begrenzt freischalten.

Visa setzt im Kampf gegen diese Art von Kartenkriminalität auf V-Pay. V-Pay Girocards funktionieren im Ausland nicht über den Magnetstreifen, sondern über die Chip-und-PIN-Technologie. Nach eigenen Aussagen sei seit der Produkteinführung von V-Pay im Jahr 2007 kein einziger Betrugsfall durch Skimming erfolgt. V-Pay Girocards funktionieren nur in Europa, wo 99,5 Prozent aller Transaktionen deutscher Girocards stattfinden. Fast der gesamte Schaden durch Skimming entsteht aber im außereuropäischen Ausland. Bei Reisen außerhalb Europas bietet sich die Zahlung und Bargeldentnahme am Automaten über eine entsprechende Kreditkarte an. In beiden Fällen müssen nicht zwangsläufig Kosten entstehen.

Autor: Werner Müller

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