Online Shopping: MasterPass oder PayPal?

MasterCard ist vielen als Kreditkartenanbieter ein Begriff. Ab dieser Woche will sich das Unternehmen aber auch mit dem Online-Bezahldienst MasterPass einen Namen machen und fordert damit die langjährige Nummer eins PayPal heraus. Was der Dienst taugt und ob sich das Umsteigen lohnt, hat cardscout in einem Ratgeber zusammengefasst.

18.11.15
Mit MasterPass soll das Einkaufen im Internet sicherer und schneller gehen. © MasterCard

• Nach Paydirekt geht nun auch MasterPass gegen PayPal an
• Bereits rund 600 Händler unterstützen MasterPass
• Die Nutzung von MasterPass ist kostenfrei

Seit Jahren dominiert PayPal, wenn es um das Bezahlen in Online Shops geht. MasterCard hatte zwar bereits 2013 eine eigene Bezahllösung vorgestellt, doch das damalige MasterPass war nur eingeschränkt zugänglich – nämlich lediglich für MasterCard-Kunden. Ab dieser Woche öffnet der PayPal-Konkurrent seinen Dienst, sodass sich jeder mit einer Kreditkarte seiner oder ihrer Wahl registrieren kann. Doch die wenigstens kennen MasterPass, was vor allem beim Online Shoppen die Nutzung hemmen kann.

Was genau ist MasterPass?

Mit MasterPass können Sie im Internet einkaufen – ohne Ihre Kreditkartendaten immer wieder einzugeben. Einmal angemeldet, wird im Online Shop über die Emailadresse und ein Passwort bezahlt. So dauert die Kaufabwicklung nur einen kurzen Moment und ist weniger anfällig für Phishing, Verbindungsprobleme und Datendiebstahl. Bei MasterPass können Kunden ihre Treue- und Bonuskarten direkt im Nutzer-Konto abspeichern. Derzeit gibt es rund 600 Händler, die eine Bezahlung über MasterPass anbieten.

MasterPass auf einen Blick. Tabelle: © cardscout

Kostet die Nutzung von MasterPass?

Im Vergleich zu PayPal verdient MasterCard bereits über die Kreditkartengebühren und kann Händlern und Käufern somit eine kostenfreie Nutzung des Dienstes anbieten. MasterPass ist also in erster Linie für all diejenigen interessant, die Waren im Internet ohnehin nur über die Kreditkarte kaufen bzw. nur über eine Zahlungsabwicklung mit Kreditkarte verkaufen möchten. Bei PayPal hingegen kommen Händler nicht so günstig weg. Der Empfang einer Zahlung kostet 1,9% der Summe und 0,35 € pro verkaufte Ware. Für Käufer ist die Nutzung von PayPal kostenfrei, es sei denn es wird in einer anderen Währung als Euro Geld versendet.

Logoshop

Das MasterPass-Logo zeigt an, ob ein Online Shop den Bezahldienst unterstützt. Foto © MasterCard

Zahlungsquellen bei MasterPass

Da MasterPass eine offene Plattform in Bezug auf Kreditkarten ist, können vom Händler alle Kredit- oder Debit- und Prepaidkarten im Online Shop zur Akzeptanz freigegeben werden.

Sinnvolle Kreditkarten für die Nutzung von MasterPass können einerseits sogenannte Prepaid-Kreditkarten sein, die Sie regelmäßig mit den benötigten Summen aufladen können und andererseits Kreditkarten, die einen Cashback-Bonus und eine Einkaufsversicherung enthalten. Bei einem Cashback-Bonus wird Ihnen monatlich ein bestimmter Prozent-Satz Ihrer Einkaufsumsätze gutgeschrieben. Die Einkaufsversicherung garantiert Käufern bis 30 Tage nach Verlust, Diebstahl oder Beschädigung der Ware eine finanzielle Entschädigung. So können Käufer und Käuferinnen die Sicherheit beim Online Shopping erhöhen, Geld sparen und im Schadensfall sogar erstattet bekommen.

Kreditkarte Visa Targobank Gold-Karte

Eine Karte, die beide Zusatzleistungen enthält, ist beispielsweise die Targobank Gold Karte. So eine Kreditkarte ist aber nur dann ratsam, wenn sie häufig und ausschließlich in der Eurozone eingesetzt wird. Unterschied zu PayPal: Bei MasterPass kann nicht über das Girokonto gezahlt werden. In dieser Hinsicht sind PayPal-Kunden etwas flexibler.

Welche Sicherheiten bietet MasterPass Käufern und Händlern?

MasterPass bietet als zusätzliche Sicherheitsleistung ein TAN-Verfahren an, bei dem Kunden einen vierstelligen Code über ihr Smartphone oder Handy erhalten. Dieser Code wird bei der Online-Zahlung eingegeben, um einem Missbrauch durch Fremde vorzubeugen. Darüberhinaus ist ein Käuferschutz enthalten. „Kunden sind bei allen Bezahlungen via Kreditkarte – also auch bei Zahlungen über das digitale Portemonnaie MasterPass – sehr umfangreich geschützt. Bei einer Kreditkartenbezahlung ist der Käuferschutz bereits mit inkludiert. Dies hängt mit den Vorgaben von MasterCard zusammen, nach denen beispielsweise Bezahlungen bei Schlechtleistung oder nicht gelieferten Ware durch die jeweiligen Banken und Sparkassen rückabgewickelt werden müssen. Nutzer können daher bei Missbrauch, Schlecht- und Minderleistung umgehend reklamieren und das meist bevor ihr Konto überhaupt belastet wurde“, erklärt ein Sprecher von MasterCard.

PayPal ist hier hingegen sehr gut aufgestellt. Der Bezahldienst bietet einen fairen und verbindlichen Käuferschutz: Der volle Kaufpreis und die Versandkosten werden den Käufern erstattet, wenn die Ware nicht verschickt wurde oder nicht dem beworbenen Produkt entspricht. Händlern bietet PayPal einen Verkäuferschutz. Kommt es trotz korrekter und pünktlich verschickter Ware zu Zahlungsausfällen durch den Käufer, erhalten Händler den Kaufpreis von PayPal.

Datenschutz bei MasterPass

Bei MasterPass wird die Datensicherheit hauptsächlich über die kartenausgebende Bank kommuniziert. So gibt es zum Beispiel eine detaillierte Datenschutzbestimmung der Sparda-Bank. Diese versichert, dass „die technischen und organisatorischen Maßnahmen, um die Informationen ihrer Partner und Kunden durch Verlust, Verfälschung, vorsätzliche Manipulation oder den Zugriff unberechtigter Personen zu schützen“, getroffen werden. Personenbezogene Daten werden zudem über die branchenübliche Verschlüsselungstechnologie Secure Socket Layer (SSL) gesichert.

PayPal betont, dass die sensiblen Daten des Käufers äußerst vertraulich behandelt werden. Lediglich die Emailadresse und die Lieferanschrift werden an den Händler übermittelt. Die Zahlungsabwicklung läuft somit vollständig über PayPal. Die externen Datensicherheitsbestimmungen sind ebenso hoch wie bei MasterPass. Laut einer aktualisierten Variante der AGB aus diesem Jahr können jedoch personenbezogene Daten zu Werbezwecken benutzt werden. Der persönliche Datenschutz ist damit diskutierbar.

Für Händler: Wie lässt sich MasterPass in den Online Shop einbauen?

Bei MasterPass sind die deutschsprachigen Angaben noch spärlich. Laut englischer Händlerinformation stehen dem jeweiligen Entwickler die Quellen und Tools von MasterPass zur Verfügung. Zunächst benötigen Interessenten einen kostenfreien Händleraccount, sodass die Integration in die Wege geleitet werden kann. Dies geschieht über die Plattform von MasterPass – nicht wie die generelle Anmeldung über die Bank. PayPal ist auch in diesem Bereich gut aufgestellt. Der Bezahldienst bietet optimale Unterstützung, wenn es um die Integration in den Online Shop geht.

MasterCard MasterPass: Transforming Digital Payments

Und so einfach funktioniert MasterPass. Video: © MasterCard

MasterPass oder PayPal? Das Fazit

MasterPass ist eine solide Lösung, wenn es um das vereinfachte Bezahlen im Internet geht. Die Wahl der Kreditkarte ist frei und die Nutzung von MasterPass komplett kostenlos. Bereits jetzt gibt es 600 Händler, die den Bezahldienst unterstützen. Im Vergleich dazu ist Paydirekt, die deutsche Alternative zu PayPal, mit nur vier Anbietern an den Start gegangen. MasterCard liegt im Vergleich also deutlich vor anderen Konkurrenten, die ebenfalls gegen PayPal stehen.

Mit MasterPass wird das Einkaufen im Internet noch sicherer, da die Kreditkartendaten nicht erneut eingegeben werden müssen. Bei Zahlungen im Online Shop fungiert MasterPass dann als Mittelsdienst zwischen dem Käufer und dem Händler. Der Dienst ist einfach zu handhaben und verfügt sogar über ein Express Checkout.

PayPal ist bisher die unangefochtene Nummer eins der Online-Bezahldienste in Deutschland und vielen anderen Ländern – auch wenn es mittlerweile äußerst gute Alternativen wie MasterPass und Paydirekt gibt. Das liegt vor allem an den flexiblen Nutzungsmöglichkeiten von PayPal. So können Käuferinnen sowohl mit Kreditkarte als auch per Lastschrift oder Guthaben online einkaufen. Zudem steht hinter PayPal ein riesiger Händlerpool aus mehreren zehntausend Online Shops.

MasterPass hat dennoch zwei große Vorteile: Das bewährte und vertrauenswürdige Sicherheitssystem und die kostenlose Nutzung des Dienstes. Wer also sowieso mit der Kreditkarte im Internet bezahlt, der kann getrost auf MasterPass umsteigen. Wer jedoch die Zahlungsquelle wechseln möchte, für den ist PayPal immer noch die bessere Variante.

Autor: Urszula Hulboj