Nahfeldkommunikation : NFC-Technik in der Praxis

NFC. Kreditkartenanbieter, Smartphone-Hersteller, Bezahlsysteme wie PayPal – Produktentwickler aller Sparten setzen auf die neue Technologie. Der Begriff fällt in der gesamten Mobil- und FinanzTech-Branche immer häufiger. Hier erfahren Sie, was NFC genau bedeutet, wie der Chip funktioniert und wo man ihn in der Praxis bereits heute antrifft.

09.06.15
NFC

NFC kennt mehr als nur einen Weg. Der Chip funktioniert anders als RFID in beide Richtungen: aktiv und passiv
Vielfältige Anwendungen in der Praxis
Mobiles Bezahlen gehört bereits heute zu unserem Alltag

NFC steht für Near Field Communication, zu dt. Nahfeldkommunikation. Mit dieser Technologie können Daten über kurze Distanzen ausgetauscht werden. Es geht also um Datenkommunikation zweier Elemente, die sehr nah beieinander liegen. Den Chip gibt es in Form von Aufklebern, Armbändern, Schlüsselanhängern, Karten und vor allem in Smartphones.

NFC kennt mehr als nur einen Weg

Anders als bei Bluetooth oder WLAN muss eine Verbindung über NFC nicht manuell hergestellt werden. NFC-Chips bauen über Funk eine Verbindung allein aufgrund der räumlichen Nähe auf, ohne dass der Nutzer eingreifen muss. Dies erinnert sehr stark an die bereits bekannte RFID-Technik aus dem Reisepass oder dem Personalausweis. Hauptsächlicher Unterschied zwischen RFID und NFC ist der Weg der Aktivität. RFID funktioniert stets in eine Richtung. Es gibt einen aktiven Part und eine passive Gegenstelle. NFC hingegen kann sowohl aktiv kommunizieren, also Daten versenden, als auch passiv Informationen erhalten. Im passiven Modus können die Daten sogar dann gesendet werden, wenn das jeweilige Gerät ausgeschaltet ist. Die Energie wird in dem Fall aus der Radiofrequenz der aktiven Komponente gezogen. Arbeitet der Chip im aktiven Modus können Informationen selber ausgelesen werden. Dafür muss jedoch eine eigene Energiequelle wie zum Beispiel die integrierte Batterie im Smartphone vorhanden sein. Da der Chip bei einer maximalen Entfernung von 4 Zentimetern funktioniert und bis zu 424 kBit/s übertragen kann, eignet sich NFC nur für ganz besondere Anwendungsbereiche.

Wo wird NFC in der Praxis eingesetzt?

Die NFC Technologie befindet sich noch im Aufbau und ist daher keinesfalls weitläufig ausgedehnt. Hightech-Unternehmen wie NXP Semiconductors, Sony oder Philips treiben die Entwicklung der NFC-Branche jedoch stark voran. Auch andere internationale Großunternehmen wie Google, Apple, Microsoft, Samsung, Visa und MasterCard sehen großes Potenzial und entwickeln Anwendungslösungen, die den Einsatz praktisch und sicher gestalten. Laut Analysen sollen in diesem Jahr 545 Millionen Smartphones mit NFC-Chip weltweit verkauft werden.

Mobiles Bezahlen gehört bereits heute zu unserem Alltag

Der stärkste Fokus der Tech-Branche liegt dabei auf dem bargeldlosen Bezahlen. Dieser Bereich soll in den nächsten Jahren immens ausgebaut werden. Aufgrund der hohen Sicherheit sowohl in der Hardware des Chips als auch in den Softwarelösungen ist es möglich, dass man bald flächendeckend mit dem Smartphone, der kontaktlosen Kreditkarte oder der Smartwatch bezahlen kann. Indem das mobile Gerät, das den Chip enthält, an ein NFC-fähiges Kassenterminal gehalten wird, können Beträge bis zu 25 Euro ohne PIN-Eingabe oder Unterschrift bezahlt werden. Die Summe wird dann vom Giro- oder Kreditkartenkonto abgezogen. Apps wie Apple Pay, Samsung Pay, Android Pay, myWallet, oder mPass sollen uns zudem in Zukunft helfen die eigenen Finanzen im Blick zu behalten und zu verwalten. Außerdem steigern sie durch Verschlüsselungssysteme die Sicherheit des Chips.

Bereits heute finden wir Mobile Payment Kreditkarten und NFC-Prepaidkarten deutschlandweit im Einsatz: In der Mensa oder Kantine laden wir die entsprechende Karte auf und halten sie beim Zahlen nur noch an das Terminal. Die bisher in Deutschland am häufigsten benutzte, aufladbare NFC-Karte ist die girogo der Sparkasse, mit der Kunden an über 10.000 Akzeptanzstellen bezahlen können. Unter den Kooperationspartnern der girogo befinden sich unter anderen Thalia, Douglas, Christ und Edeka.

NFC in der Freizeit und auf Reisen

Auch die Datenübertragung vom Tablet zum Smartphone ist bereits unkompliziert möglich: Sollen zwei Android-Geräte miteinander verbunden werden, kann dies mittlerweile problemlos über das Aneinanderhalten der Geräte geschehen. So können kleinere Datenmengen, Fotos und Links übertragen werden. Gut vorstellbar ist, dass künftig in Werbeplakaten NFC-Chips eingebaut werden. Sehen wir beispielsweise ein Plakat, das unser Lieblingskonzert ankündigt, können wir uns in Zukunft mit dem Plakat verbinden, um die Informationen zum Veranstaltungsort und zu den Ticketpreisen zu erhalten. Die Eintrittskarte fürs Konzert kann anschließend digital auf dem Telefon eingekauft, mitgenommen und vor Ort am NFC-Terminal abgelesen werden. Das Portemonnaie wird überflüssig. Vorstellbar ist auch – so wie bereits jetzt schon in vielen Fußballstadien normal – dass auch während solch eines Konzerts via Prepaid-Karte oder Smartphone gezahlt wird.

Was noch utopisch klingt, macht die Deutsche Bahn mit ihrem Touch&Travel-System anschaulich. Mit der entsprechenden App und einem NFC-fähigen Telefon verbindet man sich an dem Bahnhof, an dem die Reise beginnen soll, über einen Kontaktpunkt. Die App funktioniert dann sofort als gültige Fahrkarte. Steigt man am Zielpunkt aus, loggt sich der Reisende wiederum über den Kontaktpunkt aus. Die Reise gilt als beendet und der Ticketpreis wird vom Bankkonto abgebucht. Die Fahrkarte muss weder manuell gebucht oder bezahlt werden, noch muss der Reisende sie ausdrucken. Gängiger und weiter verbreitet als Touch&Travel von der Deutschen Bahn ist der NFC-Chip bei Fahrscheinautomaten in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln wie Straßen- und U-Bahnen.

Den Online-Ausweis nutzen und unnötige Wege sparen

Seit November 2010 wird in Deutschland der Online-Ausweis ausgestellt. Zurzeit benötigt man noch ein eigenes Kartenlese-Gerät am Computer. Zukünftig soll es möglich sein mit einem NFC-fähigen Tablet oder Telefon die elektronische ID zu nutzen. Langwierige Behörden- oder Bankgänge könnten dann von zuhause aus erledigt werden. Der Bund stellte bereits eine Ausweis-App auf der CEBIT 2015 vor, die die elektronische Identifizierung fehlerfrei und sicher ermöglichen soll.

NFC: Kleiner Alltagshelfer

Weniger futuristisch, dafür aber ein echter Alltagshelfer ist NFC, wenn es um das Koppeln von Geräten geht. So können via Chip die Stereoanlage und die Kopfhörer oder die Digitalkamera mit dem Smartphone automatisch miteinander verbunden werden. Manuelles Einstellen von Bluetooth-Verbindungen entfällt gänzlich. Zudem entstehen mit NFC keine Konfigurations- oder Kompatibilitätsprobleme, so wie es oft bei Bluetooth der Fall ist. Sollen die Kopfhörer an die Stereoanlage gekoppelt werden, müssen beide Geräte lediglich angeschaltet sein und die Kopfhörer müssen kurz an die Anlage gehalten werden, damit die Verbindung automatisch aufgebaut werden kann. Ebenfalls eine kleine Erleichterung im Alltag ist NFC zum Übermitteln von WLAN Daten. Wollen Sie das WLAN eines Freundes benutzen, kann der jeweilige WLAN Router die Zugangsdaten per NFC übermitteln. Lange, komplizierte und private Passwörter müssen nicht eingetippt bzw. abgegeben werden.

Fazit NFC-Technik in der Praxis

  • NFC steht für Near Field Communication und ist ein Datenüberträger, der kontaktlos durch das Aneinanderhalten von zwei Geräten Informationen beidseitig austauschten kann
  • die Datenübertragung funktioniert vergleichsweise langsam und nur bei einer maximalen Entfernung von 4 Zentimetern.
  • der Chip taucht in Form von Aufklebern, Armbändern, Schlüsselanhängern, Karten und vor allem in Smartphones auf
  • die Anwendungsbereiche sind vielfältig. Vor allem das mobile Bezahlen und die Automatisierung von zurzeit manuellen Einstellungswegen liegen im Fokus der Entwickler

Autor: Urszula Hulboj