Welcher Online-Bezahldienst ist besser?: PayPal und Paydirekt im Vergleich

Seit vergangener Woche ist Paydirekt, die deutsche Alternative zu PayPal, bei der HypoVereinsbank verfügbar. Bis spätestens Frühjahr 2016 sollen alle weiteren wichtigen Banken in Deutschland folgen. Ob es sinnvoll ist den neuen Bezahldienst zu nutzen oder gar von PayPal auf Paydirekt umzusteigen, hat sich cardscout einmal angesehen.

12.11.15
Ob Weihnachtsgeschenke oder sonstige Einkäufe: Bezahl-Dienste machen das Online Shoppen sicherer. Foto © thinkstock

• Paydirekt oder PayPal? Finden Sie heraus, welcher Bezahldienst am Geeignetsten für Sie ist
• Ob Händler mit eigenem Online Shop, gelegentlicher Käufer oder regelmäßiger Online Shopper: Es ist ratsam zuerst den eigenen Bedarf zu ermitteln
• Auch Streaming-Anbieter können online per Dienst bezahlt werden

Die Frage, welcher Bezahldienst besser ist, ist nicht so einfach zu beantworten und hängt mindestens von dem persönlichen Bedarf des Nutzers ab. Möchten Sie ausschließlich Waren im Internet kaufen oder auch verkaufen? Bevorzugen Sie die Abrechnung über das Girokonto oder die Kreditkarte? All das sind Kriterien, die abgesteckt sein müssen, bevor Sie sich auf einen der Bezahldienste festlegen. Cardscout macht es Ihnen einfach: Wir haben PayPal und Paydirekt detailliert miteinander verglichen und sagen Ihnen, welcher Anbieter in welchem Anwendungsfall am besten für Sie geeignet ist. Falls Sie noch gar nicht wissen, wie Sie den Dienst nutzen möchten, ist zuerst einmal eine Übersicht beider Anbieter zu Kosten, Zahlungsquellen, Sicherheit und Datenschutz hilfreich.


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Vergleich: Stand 11/2015 © cardscout

Paydirekt und PayPal im Vergleich: Wie möchten Sie den Bezahldienst nutzen?

Wenn Sie nun überlegen, ob PayPal oder Paydirekt für Sie am besten ist, finden Sie hier einige Anwendungsfälle:

Ich möchte im Internet shoppen

Einen Online-Bezahldienst einzurichten, um Einkäufe im Internet zu erledigen, ist der klassische Anwendungsfall. Sowohl bei Paydirekt als auch bei PayPal fallen dafür keine Kosten an. Bei PayPal melden Sie sich einfach über die Internetseite an, hinterlegen ein einziges Mal Ihre Bank- oder Kreditkartendaten und können ab dann online bezahlen. Dafür müssen lediglich die Emailadresse und ein Passwort im Online Shop eingegeben werden. Bei Paydirekt sieht es ähnlich aus, nur dass die Anmeldung über die Hausbank läuft. Ob Ihre Bank bereits an Paydirekt teilnimmt, muss vorher auf der Paydirekt-Homepage überprüft werden. Die Konten der Bezahldienste sind ähnlich aufgebaut und haben auch ähnliche Funktionen: Sie sind einerseits für eine transparente Umsatzübersicht geeignet und helfen andererseits in Problemfällen durch den schnellen Servicekontakt.

Geht es also um die bloße Anmeldung und das Nutzer-Konto, gibt es kaum Unterschiede zwischen PayPal und Paydirekt. Sobald es jedoch mit dem Online Shoppen losgeht, wird klar: PayPal schlägt Paydirekt um Längen. Mit PayPal können Sie in fast allen gängigen Online Shops einkaufen – mit Paydirekt bisher in lediglich vier Geschäften.

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Während sich PayPal bereits auf das Weihnachtsgeschäft vorbereitet, muss Paydirekt erst noch in Fahrt kommen. Foto: © 1999-2015 PayPal

Auch wenn sich täglich neue Anbieter anschließen, ist vor allem für das diesjährige Weihnachtsgeschäft eine ausreichende Auswahl an Shops bei Paydirekt nicht gewährleistet. Möchten Sie also flexibel im Internet einkaufen, ohne jedes Mal vorher zu überprüfen, ob Ihr Bezahldienst unterstützt wird, so bietet sich eher PayPal an.

Beim Online Shopping möchte ich meine Kreditkarte nutzen

Die Kreditkarte ist immer noch eine der häufigsten und sichersten Zahlungsmethoden im Internet. Viele Käufer nutzen, um die Sicherheit beim Online Shoppen zu erhöhen, sogenannte Prepaid-Kreditkarten, die sie regelmäßig mit den benötigten Summen aufladen. So kann mit Netz und doppeltem Boden online eingekauft werden. Da bei Paydirekt nur das Girokonto als Zahlungsquelle hinterlegt werden kann, entfällt diese Option für all diejenigen, die weiterhin nicht auf die Vorteile von Kreditkartenzahlungen verzichten möchten. Soll also beim Online Shopping die Kreditkarte weiterhin genutzt werden, bleibt Ihnen als Bezahldienst in dem Fall nur PayPal übrig. Trotzdem bietet der Dienst Flexibilität, da PayPal auch ohne Kreditkarte funktioniert.

Ich möchte meinen Streaming-Anbieter online bezahlen

Wer Netflix, Spotify und andere Streaming-Anbieter bezahlen möchte, kann dies heutzutage über Kreditkarte, Sofortüberweisung, Klarna oder über PayPal erledigen. Mit Paydirekt ist das derzeit noch nicht möglich. Da Sofortüberweisungen als nicht besonders sicher gelten und Klarna nicht von allen Anbietern unterstützt wird, bietet es sich auch hier wieder an entweder mit Kreditkarte zu bezahlen oder die Kreditkarte direkt in einem PayPal-Konto zu hinterlegen. So profitieren Sie von der doppelten Sicherheit und müssen die Kreditkartendaten nicht jedes Mal vollständig angeben.

Ich bin Händler und möchte meine Ware im Online Shop verkaufen

Egal ob PayPal oder Paydirekt: In erster Linie bleibt der Kunde natürlich König. Ratsam ist es daher vorab zu überlegen, welchen Bezahldienst Ihre Käufer wohl bevorzugen. Wird meist über Kreditkarte eingekauft, lohnt es sich PayPal anzubieten und durch das schnelle Checkout die Absprungrate immens zu reduzieren. Bezahlen Ihre Kunden jedoch überwiegen per Rechnung und Lastschrift, so bietet sich Paydirekt an. Wenn Ihre Kundschaft zudem weniger Technik-affin und auch weniger vertraut mit dem Einkaufen im Internet ist, ist Paydirekt eine gute Wahl. Dadurch, dass Paydirekt über die Hausbanken und über das eigene Online Banking freigeschaltet wird, ist es für diesen Adressaten leichter und barrierefreier sich auf den Bezahldienst einzulassen. Dem Online-Handel kritisch gegenüberstehende Kunden fühlen sich außerdem bei der Hausbank besser aufgehoben als bei PayPal.

Paydirekthändler

Mit Paydirekt holen Händler ihre Kunden direkt bei ihrer Hausbank oder der Sparkasse ab. Foto: © Paydirekt

Natürlich können auch beide Bezahldienste in den Shop angebunden werden. So kann PayPal Express vor dem eigentlichen Checkout als Schnellvariante angeboten werden und Paydirekt zusätzlich an der Kasse. Ob sich der erhöhte technische Aufwand lohnt, orientiert sich an Ihrer Käuferschaft.

Darüber hinaus ist es bei Paydirekt wie auch bei PayPal äußerst wichtig, wie einfach Sie den Bezahldienst in Ihren Online Shop einbauen können. Der simpelste Fall liegt vor, wenn PayPal bereits im Shop vorintegriert wurde. Bei den meisten White-Label-Lösungen können Sie dies heutzutage mitbestellen. PayPal bietet zudem eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie den Bezahldienst selber mit dem Shop fachgerecht verknüpfen können. Erklärt wird hier unter anderem die Integration in Shop-Systeme wie 1&1, ePages, Gambio, Magento, Oxid, Shopware und Strato. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob alles fehlerfrei läuft, können Sie ein von PayPal angebotenes Optimierungs-Programm benutzen, das Ihnen Probleme in der Integration anzeigt.

Die Informationen zur Einbindung von Paydirekt sind technisch und kurz gehalten. Auf Nachfrage erhalten Händler jedoch weiteres Material, das bei der Integration unterstützen soll. Paydirekt bietet drei Arten der Einbindung an: Sie können den Bezahldienst direkt integrieren, einen Standard Plug-In verwenden oder Paydirekt über Ihren Payment Service Provider (PSP) nutzen. Auch Paydirekt bietet einen Testbereich, die sogenannte Sandbox an. Die technischen Bedingungen und die Hilfestellungen zur Optimierung sind bei beiden Bezahldiensten recht ähnlich – verständlicher erklärt, wird jedoch die PayPal-Variante.

Überlegen Sie derzeit einen Bezahldienst in Ihrem Online Shop anzubieten, werden auch die preislichen Konditionen eine Rolle spielen. Bei Paydirekt können Händler die Kosten pro Transaktion mit Ihrer Bank oder Sparkasse selbst verhandeln. Damit möchte Paydirekt den Auflagen des Kartellamtes nachkommen und für flexible und angemessene Gebühren sorgen. Die Entgelt-Verhandlungen werden von der Bank oder einem Partner der Bank initiiert, sodass der bürokratische Aufwand gering gehalten wird. Sowohl kleinere als auch größere Händler könnten von solchen Verhandlungen profitieren.

Bei PayPal sind die Kosten für Transaktionen und Geldsendungen detailliert festgelegt. Für den gewöhnlichen Empfang einer Zahlung entrichten Händler 1,9 Prozent der Rechnung und 0,35 Euro an den Bezahldienst. Ob das insgesamt teurer ist als mit Paydirekt, hängt von den Konditionen der jeweiligen Kreditkarte ab.

Fazit: PayPal und Paydirekt im Vergleich


PayPal

PayPal ist im Vergleich zu Paydirekt erprobt und gehört bereits zum weltweiten Standard. In Deutschland gibt es laut Angaben von PayPal rund 16 Millionen aktive Nutzerinnen. Die Kosten für Händler sind detailliert geregelt. Käufer können aus mehreren Optionen eine Zahlungsquelle aussuchen, darunter befindet sich auch die Kreditkarte – bisher immer noch das sicherste Zahlungsmittel im Internet. Wer also schnell, ohne Verhandlung und flexibel bezahlen bzw. Zahlungen entgegen nehmen möchte, ist mit PayPal auf der sicheren Seite. Seitdem PayPal seine Geschäftsbedingungen geändert hat, kann es jedoch passieren, dass personenbezogene Daten zu Werbezwecken genutzt werden.

Paydirekt

Paydirekt ist neu auf dem deutschen Markt. Da die Finanzinstitute die Zahlungen abwickeln, gelten auch dieselben Sicherheitsstandards wie bei der Hausbank. Vertrauen Sie Ihrer Hausbank, so können Sie auch dem Bezahldienst vertrauen. Daten-Phishing ist natürlich ausgeschlossen. Wer lediglich das Girokonto zum Kaufen und Verkaufen im Netz nutzen mag, der wird mit Paydirekt gut bedient sein. Kreditkarten können jedoch bei Paydirekt nicht hinterlegt werden. In solchen Fällen ist PayPal die sinnvollere Wahl.

Autor: Urszula Hulboj