Die Zukunft des Bezahlens

Mastercard beleuchtet neun wichtige Trends und Innovationen im Bereich des Zahlungsverkehrs

In einem aktuellen Bericht stellt Mastercard neun wichtige Trends vor, die die Zukunft des Zahlungsverkehrs in den nächsten fünf bis sieben Jahren durch innovative Zahlungsmethoden und die Neugestaltung des Handels beeinflussen werden.

Die Zukunft des Bezahlens
Die Zukunft des Bezahlens © GettyImages/George Pachantouris

Die Art und Weise wie wir Geschäfte machen wird bis zum Ende des Jahrzehnts von bedeutenden Innovationen geprägt sein, darunter die Tokenisierung von Vermögenswerten, programmierbare Zahlungen und vernetzte Finanzdienstleistungen.

Die Neugestaltung des Handels und innovative Zahlungsmethoden

Bis zum Ende des Jahrzehnts werden wir bedeutende Innovationen erleben, die den Handel neugestalten werden. Zu den bevorstehenden transformativen Veränderungen gehören neue Möglichkeiten für den Austausch von Werten, intelligente Erlebnisse, die physische und digitale Umgebungen durchdringen, sowie die Stärkung der Grundsätze der Inklusivität und Nachhaltigkeit, die sich auf die Art und Weise auswirken, wie wir Produkte entwerfen, entwickeln und liefern.

Mit der Entwicklung des Handels werden sich auch die Zahlungsmethoden weiterentwickeln. Vor dem Hintergrund der „New Economy“ werden veränderte Verbrauchererwartungen, aufkommende Technologien und regulatorische Zusammenarbeit neue Zahlungsinnovationen beschleunigen. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht von Mastercard zeigt neun Zahlungsinnovationen auf, die sich in den nächsten fünf bis sieben Jahren entwickeln könnten.

1. Ein neues Verständnis von Geld und die tokenisierte Welt

Unser Verständnis von austauschbaren Vermögenswerten erweitert sich ständig. Neben traditionellem Geld gehören nun auch nicht-traditionelle Vermögenswerte wie Treuepunkte, Daten, Kryptowährungen, Rechte und digitale Güter dazu, was den Austausch von Werten verändert. Die Tokenisierung* von Vermögenswerten spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie den Zugang zu diesem vielfältigen Spektrum an Vermögenswerten ermöglicht und gleichzeitig das Vertrauen und die Sicherheit in den Austausch selbst fördert. Eine tokenisierte Welt bietet Verbrauchern und Unternehmen die Möglichkeit, neue Formen von Werten zu nutzen, zu kombinieren und auszutauschen. Verbraucher erhalten dadurch eine breitere Palette von Zahlungsoptionen, während Banken, digitale Anbieter und Händler neue Geschäftsmodelle für den Austausch von Werten entwickeln können. Nahezu alles kann als digitaler Token dargestellt werden, was die finanzielle Flexibilität erhöht. Denn auch teure oder bisher nicht teilbare Objekte wie Häuser, Containerschiffe, Kunst oder edle Weine können durch Tokenisierung in kleinere Anteile aufgeteilt werden.

  • Ausblick

    In den nächsten fünf Jahren wird die Ausweitung der Tokenisierung auf reale Vermögenswerte unsere Vorstellung von Wert und Zahlungsmöglichkeiten grundlegend verändern. Prognosen zufolge könnte der globale Tokenisierungsmarkt allein im Finanzsektor bis 2027 ein Volumen von 24 Billionen US-Dollar erreichen. Der Einsatz von NFTs (Non-fungible Tokens) ist ein vielversprechendes Zeichen für das Potenzial der Tokenisierung, Vermögenswerte zu digitalisieren und den Austausch von Werten zwischen Verbrauchern und Unternehmen zu revolutionieren. Hybride Token, die Zahlungen, Vorteile und Vermögenswerte in einer einzigen Einheit vereinen, werden ebenfalls für einen Innovationsschub sorgen.

Tipp Was sind Token?

Token sind digitale Einheiten, die auf der Blockchain-Technologie basieren. Sie repräsentieren Vermögenswerte, Rechte oder Werte, die in der digitalen Welt übertragen und gehandelt werden können. Tokens können verschiedene Formen annehmen und dienen als digitale Zertifikate für reale Vermögenswerte oder als eigenständige digitale Güter. Sie ermöglichen den sicheren und effizienten Austausch von Vermögenswerten und Daten in dezentralen Netzwerken.

2. Programmierbare Zahlungen

Die Kombination von APIs, Smart Contracts und künstlicher Intelligenz ermöglicht programmierbare Zahlungen, bei denen die Geschäftslogik direkt in die Zahlung integriert wird. Dies führt zu Effizienzsteigerungen und verbessert das Kundenerlebnis. Ein Beispiel für den Einsatz sind Lieferkettentransaktionen: In der Logistik könnten beispielsweise automatisierte Zahlungen freigegeben werden, wenn Sensoren vor Ort Lieferungen verifizieren. Auf Online-Marktplätzen könnten Content-Ersteller in Echtzeit bezahlt werden, wobei sich die Lizenzgebühren je nach Kanal (Mobil, App oder persönlich) variieren. Diese Funktionen ermöglichen es Unternehmen, ihre Liquidität effizienter zu verwalten und den Zeit- und Kostenaufwand für die Verarbeitung im Hintergrund zu reduzieren. Darüber hinaus könnten programmierbare Zahlungen bestehende Geschäftsmodelle wie Pay-per-Use oder Leasing erweitern. Anstatt kapitalintensive Maschinen zu kaufen, könnten wir sie leasen und nach einer Reihe von vordefinierten Kriterien wie Nutzung, Emissionswerte, Gesamtlaufzeit, Gesamtstillstandszeit usw. bezahlen. Eine programmierbare Zahlung könnte periodisch ausgelöst werden, um diese Daten zu sammeln, eine Rechnung auf der Grundlage der vereinbarten Vertragsbedingungen zu erstellen und dann die Zahlung automatisch von der digitalen Geldbörse des Leasingnehmers abzubuchen und dem Leasinggeber gutzuschreiben.

Cyber-Angriffe stellen jedoch eine Bedrohung dar, weshalb Sicherheitsmaßnahmen entwickelt werden müssen, um das Vertrauen in diese automatisierten Zahlungsvorgänge zu gewährleisten. Regierungen untersuchen auch, wie sie die Programmierbarkeit direkt in das Geld selbst integrieren können, und zwar durch digitale Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDCs). CBDCs funktionieren ähnlich wie herkömmliche Banknoten, jedoch in programmierbarer digitaler Form, und versprechen niedrigere Kosten, höhere Effizienz, besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen sowie mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht bei Finanzströmen und Zahlungssystemen. CBDCs bergen jedoch auch neue Risiken und sind technisch und regulatorisch anspruchsvoller.

  • Ausblick

    Programmierbare Zahlungen könnten sich bis 2030 von spezialisierten Anwendungsfällen zu einem Industriestandard entwickeln. Die Integration von Messaging und anderen Mehrwertdiensten wie Cybersicherheit und Verifizierung von Kundendaten wird zu intelligenteren, kontextbezogenen Zahlungsoptionen führen. Der Nettoeffekt wird eine deutliche Senkung der operativen Kosten für Vorverarbeitung, Abgleich und Ausnahmebehandlung sowie Verbesserungen bei Geschwindigkeit und Service für Kunden sowohl im kommerziellen als auch im privaten Zahlungsverkehr sein.

3. Digitale Geldbörsen

Derzeit ist die Nutzung digitaler Geldbörsen oft fragmentiert, da Verbraucher häufig mehrere Tools benötigen, um Transaktionen durchzuführen oder auf Dienste zuzugreifen, darunter physische Geldbörsen, Ausweisdokumente, digitale Geldbörsen und Banking-Apps. Die zunehmende Fragmentierung wird durch die Integration Wallet-ähnlicher Funktionen in Internetbrowser, IoT-Geräte und Krypto-Wallets, die aufgrund komplexer Onboarding-Prozesse oft schwer zu nutzen sind, weiter verstärkt.

Während heutige mobile Geldbörsen tokenisierte Karten- und Kontoinformationen speichern, werden die Geldbörsen der Zukunft über den Ansatz einer Einzelfunktionsanwendung hinausgehen und zur zentralen Schaltzentrale unseres täglichen Lebens werden. Die Geldbörse der Zukunft wird es den Nutzern ermöglichen, ihre Identität zu verifizieren, ihre Daten zu verwalten, maßgeschneiderte Finanzinformationen zu erhalten und als "Fernbedienung im Geschäft" zu fungieren, um personalisierte Online- und Geschäftserfahrungen zu ermöglichen. Diese Entwicklung, die durch die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft vorangetrieben wird, führt zu immer präsenteren und allgegenwärtigeren Geldbörsen. Die Brieftasche von morgen wird Karten, digitale Identitäten, Hausschlüssel, Zugangskarten zum Büro, Passwörter, Führerscheine und vieles mehr in sich vereinen.

  • Ausblick

    Analysten gehen davon aus, dass es bis 2025 rund 4,4 Milliarden Nutzer digitaler Geldbörsen geben wird, was mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung entspricht. Darüber hinaus wird erwartet, dass Zahlungen über digitale Geldbörsen bis 2026 rund 54 Prozent des weltweiten Transaktionsvolumens im E-Commerce ausmachen werden. Aufgrund des Wettbewerbs und der regulatorischen Kontrolle ist es unwahrscheinlich, dass ein einzelner Wallet-Anbieter den Markt dominieren wird. Banken und digitale Anbieter, die in diesem Bereich miteinander konkurrieren, werden sich weiterentwickeln, indem sie den Nutzen und die nahtlose Nutzererfahrung verbessern und das Versprechen einer Geldbörse für alles einlösen.

4. Vernetzte Finanzdienstleistungen

So wie Omnichannel das Einkaufen im Einzelhandel verändert hat, werden neue Technologien die Möglichkeiten und Orte erweitern, an denen wir bezahlen. Eine der aktuellen Herausforderungen in digitalen und physischen Umgebungen besteht darin, dass die Zahlungsmöglichkeiten oft begrenzt sind und es an einer unmittelbaren Verbindung zwischen den verschiedenen Kanälen mangelt. In digitalen Umgebungen müssen Verbraucher beispielsweise zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln, um Zahlungen zu tätigen oder auf ihre Finanzdaten zuzugreifen.

"Vernetzte Finanzdienstleistungen" ist ein Oberbegriff, der die Fähigkeit beschreibt, unsere Vermögenswerte in jeder Umgebung - digital, physisch oder virtuell - zu verknüpfen und einen universellen Zugang zu Zahlungen und anderen Finanzdienstleistungen auf der Grundlage von Open Banking und Verbraucherdatenkontrolle zu ermöglichen. Open Banking ermöglicht es Verbrauchern und kleinen Unternehmen, Drittanbietern wie Finanzinstituten und Fintechs Zugang zu ihren Finanzdaten zu gewähren. Auf der Grundlage dieser Daten, die über APIs bereitgestellt werden, können diese Drittanbieter neue Bank- und Zahlungslösungen entwickeln. So können auch Nicht-Finanzunternehmen Finanzprodukte und -dienstleistungen in ihren Anwendungen anbieten. Das Ergebnis sind nahtlose Erlebnisse in jeder digitalen Umgebung: Ein "Buy now, Pay later"-Button, um Kredite in der Shopping-App eines Einzelhändlers anzubieten, ein E-Commerce-Händler, der beim Bezahlen Versicherungen anbietet, oder generative KI-Chatbots, die in Apps für das Finanzmanagement Ratschläge erteilen. Klarna hat beispielsweise ein integriertes Plugin für ChatGPT angekündigt, dass es Nutzern ermöglicht, die Plattform um Einkaufstipps zu bitten und Produktempfehlungen sowie Links zum Kauf dieser Produkte zu erhalten. Diese neuen Möglichkeiten deuten auf eine Zukunft hin, in der Finanzdienstleistungen über mehrere Kanäle angeboten und vertrieben werden können, wodurch unsere Vermögenswerte in jedem Umfeld leichter zugänglich werden. Die Zahlen bestätigen diesen Trend: 80 Prozent der US-Verbraucherinnen und -Verbraucher verknüpfen heute ihre Bankkonten über Open Banking mit anderen Anwendungen, und mehr als 100 Länder haben Open Banking durch Regulierung oder Marktaktivitäten eingeführt.

  • Ausblick

    Die Aussichten für vernetzte Finanzdienstleistungen sind vielversprechend. Es wird erwartet, dass Open Banking in den nächsten drei bis fünf Jahren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 25 Prozent auf ein Marktvolumen von rund 116 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 anwachsen wird. Die Umsetzung von Open Banking könnte somit den Markt für die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen über andere Anwendungen von 3,6 Billionen US-Dollar im Jahr 2020 auf 7,2 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 verdoppeln. Vorreiter sind digitale Akteure, die relevante Finanztools in die gesamte Customer Journey integrieren - beispielsweise können Verbraucher auf Instagram ein Bankkonto eröffnen oder beim Checkout sofort eine digitale Co-Branded-Karte nutzen. Plattformen wie WhatsApp ermöglichen es ihrer großen Nutzerbasis, P2P-Zahlungen zu tätigen, und treiben damit das rasante Wachstum des Social- und Conversational-Commerce voran.

5. Grenzenlose Zahlungssysteme

Die Herausforderungen der Globalisierung sind allgegenwärtig, und es gibt derzeit zwei Arten von Beschränkungen für den Zahlungsverkehr: geografische und digitale Grenzen. Erstere sind häufig rechtlicher Natur und führen zu Reibungsverlusten bei grenzüberschreitenden Zahlungen sowie zu Herausforderungen für Banken und Unternehmen in Bezug auf Abwicklungsgeschwindigkeit, Kosten und Risiken. Letztere, zu denen digitale Plattformen gehören (wie der Apple App Store und Facebook, die den Zugang der Nutzer zu Inhalten und Dienstleistungen kontrollieren), sind auf die mangelnde Zahlungskompatibilität zwischen digitalen Ökosystemen zurückzuführen.

Heutzutage müssen Gelder über mehrere Intermediäre und Finanzinstitute geleitet werden, da es keine durchgängigen Systeme über geografische Grenzen hinweg gibt. Dies führt zu höheren Transaktionsgebühren und längeren Bearbeitungszeiten im Vergleich zu Inlandszahlungen. Die Bereitstellung von Liquidität, die Währungsumrechnung und die Abwicklung von Zahlungen sind zeitaufwändig und kostenintensiv. Die G20 hat bereits einen Fahrplan aufgestellt, um grenzüberschreitende Zahlungen schneller, transparenter und billiger zu machen. Die Umsetzung ist im Gange, aber die Schwierigkeit, eine Einigung zwischen den zahlreichen Teilnehmern zu erzielen, hat den Fortschritt verlangsamt und zu Hindernissen in den Bereichen Nachrichtenübermittlung, Daten und Compliance geführt. Das kurzfristige Ergebnis könnten unabhängige geografische Gebiete sein, die miteinander interoperabel sind (wie die ASEAN-Märkte), anstatt eine globale Vernetzung zu erreichen.

Gleichzeitig gibt es immer mehr digitale Plattformen mit integrierten Zahlungssystemen, die untereinander nicht interoperabel sind (z.B. können Alipay-Nutzer kein Geld direkt an Meta-Nutzer senden). Obwohl die Erwartungen der Verbraucher an ein verbessertes Zahlungserlebnis steigen, stellt die Forderung nach Datenkontrolle ein wesentliches Hindernis für die Interoperabilität dar.

  • Ausblick

    Trotz dieser Hindernisse suchen private und öffentliche Akteure weiterhin nach Lösungen zur Verbesserung der Zahlungskompatibilität. Zwei Aspekte könnten zur Verbesserung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs beitragen: die Nachfrage der Verbraucher und regulatorische Maßnahmen. Die Verbraucher fordern Zugang zu grenzüberschreitenden, digitalen Anwendungen, was zu neuen Datenschutzvorschriften führen könnte, die diesen Anforderungen gerecht werden, sowie zu Echtzeit-Zahlungen, die über abgeschottete Umgebungen hinweg verbunden werden können. Um Fairness bemühte Regulierungsbehörden könnten Druck auf digitale Ökosysteme ausüben, damit diese ihre Grenzen zu öffnen und einen besseren Zahlungsfluss zu ermöglichen. Im Laufe des Jahrzehnts könnten die Kräfte von Verbrauchern und Unternehmen (die eine integrierte, multinational zugängliche Lösung fordern) und Regulierungsbehörden (die digitale Ökosysteme fördern) die Interoperabilität grenzüberschreitender Zahlungen vorantreiben.

    Prognosen zufolge werden grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Verbrauchern in den Jahren von 2020 bis 2027 um 225 Prozent auf 2,9 Billionen US-Dollar steigen. Grenzüberschreitende Zahlungen zwischen Unternehmen (B2B) dürften bis Ende 2024 40 Billionen US-Dollar übersteigen.

6. Akzeptanzinnovationen

Das Bezahlen an der Kasse befindet sich im Umbruch, angetrieben durch neue Technologien und Zahlungsoptionen. Händler erhalten mehr Flexibilität bei der Akzeptanz haben und Verbraucher profitieren von einem deutlich verbesserten Einkaufserlebnis und einem erweiterten Serviceangebot.

In den letzten zwei Jahren hat sich das Bezahlen an der Kasse verbessert, da Händler QR-Codes und Smartphone-Zahlungen anbieten, Regierungen nationale Programme unterstützen und Banken Konto- und Ratenzahlungen an der Kasse ermöglichen. Diese Entwicklungen haben sich rasch und parallel zum Wachstum des digitalen Handels vollzogen. Während die Verbraucher Interesse an neuen und alternativen Zahlungsmethoden zeigen, haben die Händler ihre Akzeptanzmethoden erweitert, um Schritt zu halten.

Trotz des Abbaus von Reibungsverlusten bestehen nach wie vor Herausforderungen - Händler benötigen häufig Unterstützung bei der Zertifizierung, benötigen physische Geräte und können Schwierigkeiten bei der Integration haben. Gleichzeitig erwarten die Verbraucher immer mehr Flexibilität bei den Zahlungsmethoden. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, arbeiten Einzelhändler, Telekommunikationsunternehmen und Technologieanbieter daran, die Akzeptanz durch den Einsatz neuer Technologien sicher zu erhöhen. Schon heute können Händler 5G, die Cloud und neue Geräte nutzen, um die Notwendigkeit einer stationären Kasse zu eliminieren. Jedes mobile Gerät kann zu einer Handelsplattform werden - man stelle sich vor, nie wieder Schlange stehen zu müssen und Zahlungen per Sprache oder Biometrie zu tätigen. Diese Lösungen erleichtern auch die Akzeptanz bei den Händlern, verkürzen die Zeit für die Gerätezertifizierung und ermöglichen die Integration von mehr Diensten an der Kasse. Durch die Senkung der Kosten für die Akzeptanzinfrastruktur wird es auch für Kleinhändler attraktiver, bargeldlose Zahlungen zu akzeptieren und die finanzielle Eingliederung zu fördern.

  • Ausblick

    Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren eine Vielzahl von Akzeptanzmöglichkeiten und neuen Interaktionspunkten das Kundenerlebnis prägen werden. Innovationen in diesem Bereich bieten Einzelhändlern eine kostengünstige Möglichkeit, neue Einnahmequellen zu erschließen und die Erwartungen der Verbraucher an Schnelligkeit und Bequemlichkeit zu erfüllen. Akzeptanzinnovationen werden eine dynamische und vielfältige Zukunft des Bezahlens und Einkaufens gestalten, von der Händler und Verbraucher gleichermaßen profitieren.

    So ermöglicht die Ultra-Wideband (UWB)-Technologie bereits kontaktloses Bezahlen über eine Entfernung von bis zu 200 Metern. Digitale Geldbörsen sind bereits heute mit einem Anteil von 32 Prozent im Jahr 2022 das führende Zahlungsmittel am Point-of-Sale (POS), aber auch der globale Markt für biometrische Zahlungen soll zwischen 2022 und 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 62 Prozent zulegen.

7. Inklusive Kreditvergabe

Die Pandemie hat den Ruf nach mehr Unterstützung für Verbraucher und kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die nur begrenzten Zugang zu Krediten haben, lauter werden lassen. In der Vergangenheit mussten diese Gruppen auf alternative und teure Kreditquellen wie Gehaltsvorschüsse und Scheckeinlösung zurückgreifen. In Zukunft werden jedoch neue Marktplätze und Dienstleistungen entstehen, um Menschen, die keinen ausreichenden Zugang zu herkömmlichen Finanzdienstleistungen und -produkten haben, den Zugang zu Krediten zu ermöglichen und unterfinanzierte Gemeinschaften weltweit zu stärken.

Technologien wie Tokenisierung, Netzwerkfinanzierung und Akzeptanz ebnen den Weg für eine inklusive Kreditvergabe. Für die Verbraucher erfordert die Verbesserung der Inklusion und des Zugangs zu Krediten Zahlungsprodukte, die ein breites Spektrum von Transaktionsbedürfnissen effizient abdecken, weit verbreitete Zugangspunkte und eine wirksame Sensibilisierung und Ausbildung in Finanzfragen. Nach Angaben der Financial Industry Regulatory Authority versteht heute nur etwa ein Drittel der Amerikaner Begriffe wie Zinssätze, Hypothekenzinsen und finanzielle Risiken, was einem Rückgang von 19 Prozent in den letzten zehn Jahren entspricht. In Zukunft könnten generative KI-Lösungen wie virtuelle Finanzberater in Banking-Apps neue Lösungen für die Vermittlung von Finanzwissen bieten. Gleichzeitig arbeiten Gruppen wie Operation HOPE daran, diese Indikatoren zu verbessern, indem sie kostenloses, individuelles Finanzcoaching und Finanzbildung anbieten und Verbrauchern helfen, ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern, Schulden abzubauen und ihre Ersparnisse zu erhöhen.

Für KMU verbessert sich die Kreditvergabe durch die Nutzung alternativer Datenquellen zur Erstellung von Risikoprofilen und durch die Erweiterung der verfügbaren Kreditquellen. Während Crowdfunding bereits seit mehr als 20 Jahren existiert, unterstützen eine Reihe von Fintechs KMU bei der Nutzung alternativer Finanzierungsquellen: EquityNet verbindet Unternehmer mit einem Netzwerk von Business Angels, während MicroVentures Start-ups in den Bereichen Software, Mobilfunk und Umwelttechnologie Kapital von akkreditierten und nicht akkreditierten Investoren beschafft. Darüber hinaus haben Marktplätze Mikrokredite bereitgestellt, um KMU bei der Verbesserung ihres Cashflows und ihres Wachstums zu unterstützen.

Neue Technologien werden ebenfalls zu einem breiteren Zugang zu Krediten beitragen. Verschiedene KI-Kreditbewertungsmodelle werden eingesetzt, um Entscheidungen auf der Grundlage alternativer Daten wie Gesamteinkommen, Kreditgeschichte, Transaktionsanalyse, Berufserfahrung und sogar Google Analytics zu treffen. Diese neuen Bewertungsmodelle werden den Weg für eine Zukunft ebnen, in der KMU und Verbraucher einen besseren Zugang zu Krediten erhalten, indem sie Tools zur Bonitätsprüfung und zur Durchführung von Know-Your-Customer-Prozessen nutzen.

  • Ausblick

    Die nächste Generation inklusiver Kreditdienstleistungen umfasst verbesserte Mikrofinanzierung, Ratenzahlungslösungen für KMU und KI-gestützte Kreditbewertungsmodelle. So wird der globale Mikrofinanzierungsmarkt bis 2030 auf 350 Milliarden US-Dollar geschätzt. Eine breitere und inklusivere Kreditvergabe wird das globale Wirtschaftswachstum ankurbeln. Banken, Fintechs und digitale Akteure, die eine inklusive Kreditvergabe ermöglichen, werden von zusätzlichen Wachstumschancen profitieren. Fortschritte bei den Technologien und Initiativen zur Förderung der inklusiven Kreditvergabe werden dazu beitragen, eine breitere Finanzdienstleistungslandschaft zu schaffen und die finanzielle Inklusion weltweit zu stärken.

8. Bewusster Konsum

Bewusster Konsum und gezielte Kaufentscheidungen wurden in der Vergangenheit durch mangelnde Einkaufsmöglichkeiten und fehlende Transparenz über die Herkunft der Produkte gebremst. Das Bewusstsein der Verbraucher wächst jedoch und es wird erwartet, dass das Ausgabeverhalten Schritt hält. Die Mehrheit der Generation Z ist bereit, mehr für Produkte zu zahlen, die von zweckorientierten Marken stammen, und bevorzugt ethisch produzierte Waren, die möglichst aus der Region stammen. Die Technologie wird die Fähigkeit der Verbraucher verbessern, zu verstehen, wie Produkte hergestellt werden und welche Auswirkungen sie auf die Umwelt haben: QR-Codes, RFID-Tags und verbesserte Verpackungen können Informationen direkt im Geschäft und online zur Verfügung stellen.

Erste Indikatoren zeigen, dass Unternehmen mit hoher ESG-Performance in der Regel wettbewerbsfähiger sind. Sie sind häufig profitabler und ihre Gewinne sind weniger volatil. Ihre Fähigkeit, diese Entwicklung zu antizipieren, bringt Herausforderungen und Chancen mit sich. Angesichts des wachsenden Bewusstseins für "Greenwashing" - wenn Organisationen irreführende oder falsche Informationen verwenden, um die Öffentlichkeit über ihre Umweltauswirkungen zu täuschen - müssen Unternehmen legitime Schritte unternehmen, um ihre Glaubwürdigkeit zu demonstrieren. Dies kann Umgestaltung der Organisation der Lieferkette und eine Verbesserung der Transparenz des Lieferantenverhaltens beinhalten.

Unternehmen können ihr Engagement für die Umwelt unter Beweis stellen, indem sie Informationen in Zahlungsanwendungen integrieren, die den Verbrauchern dabei helfen, umweltfreundlichere Ausgaben zu tätigen. So war beispielsweise das schwedische Fintech-Unternehmen Doconomy eines der ersten Start-up-Unternehmen, das mobile Bankdienstleistungen anbot, die das Verhalten beeinflussen und nachhaltigen Konsum belohnen sollten. Mastercard arbeitete mit Doconomy zusammen, um den "CO2-Rechner" zu entwickeln, der es Finanzinstituten und Händlern ermöglicht, die CO2-Bilanz aller Einkäufe in ihre Apps zu integrieren, so dass Verbraucher die geschätzte CO2-Bilanz aller ihrer Einkäufe einsehen können.

  • Ausblick

    Mit zunehmendem Bewusstsein erwarten wir in naher Zukunft eine beschleunigte Dynamik bei zweckorientierten Zahlungsströmen, da Verbraucher Unternehmen bevorzugen werden, die ESG- oder Netto-Null-Ziele verfolgen, lokal einkaufen und ethisch einwandfrei wirtschaften. Banken und Einzelhändler, die zeigen können, dass sie ihre Produkte und Dienstleistungen mit den Werten ihrer Kunden in Einklang bringen können, werden erfolgreicher sein als diejenigen, die sich nicht mit dem bewussten Verbraucher weiterentwickeln.

9. Vertrauen als Schlüsselfaktor

Mit zunehmender digitaler Interaktion und den damit verbundenen Sicherheitsrisiken nehmen Betrug und Identitätsdiebstahl zu. Vertrauen wird zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal für Unternehmen. Diejenigen, die das Vertrauen der Verbraucher gewinnen, werden einen größeren Anteil der Zahlungsströme für sich verbuchen können.

Das Konzept „Embedded Trust“ deutet auf eine Zukunft hin, in der Unternehmen ihre "Vertrauensbeweise" durch die beschleunigte Einführung neuer Technologien differenzieren. Dazu gehören die Entwertung von Daten, der Einsatz von Verschlüsselung und Tokenisierung, um Daten für Hacker unbrauchbar zu machen, sowie der Einsatz von Zero-Trust-Architekturen (ZTA) zur verbesserten Identitätsüberprüfung.

Angesichts der ständig wachsenden Menge an personenbezogenen Daten, die gesammelt werden, stellt die Vertrauensbildung eine Herausforderung dar. Diese Daten müssen geschützt werden, während gleichzeitig die Sicherheit an jedem Punkt des Verkaufsprozesses mit der Nachfrage nach einem schnellen und reibungslosen Checkout-Erlebnis in Einklang gebracht werden muss.

Ein weiterer Aspekt ist die Herausforderung, einerseits die Kundendaten zu schützen und andererseits den Wert dieser Daten zu nutzen, um ein optimales, personalisiertes Kundenerlebnis zu schaffen. Privacy Enhancing Technologies (PETs) können dieses Dilemma lösen. Sie ermöglichen es Unternehmen, sensible Daten zu analysieren und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, ohne die Art oder Einzelheiten der Daten selbst preiszugeben, auch nicht gegenüber Analysten. Auf diese Weise ermöglichen es PET-Systeme, die Daten und die Privatsphäre von Einzelpersonen und Firmen zu schützen, während Unternehmen diese Daten sicher zu nutzen können, um Produkte, Dienstleistungen und Kundenerfahrungen zu verbessern.

  • Ausblick

    Der Schutz von Kundendaten wird nicht nur aufgrund gesetzlicher Vorschriften immer wichtiger. So ist es nicht verwunderlich, dass erste Prognosen davon ausgehen, dass der Markt für Zero-Trust-Sicherheit bis 2027 ein Volumen von 60,7 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden Unternehmen, denen es gelingt, das Vertrauen von Kunden und Regulierungsbehörden zu gewinnen, die Möglichkeit haben, dieses Vertrauen zu vermarkten, indem sie ihre Geschäftsmodelle erweitern und sich von ihren Wettbewerbern abheben.

Laetitia Schäfer

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