KI als Kundin

Wie Visa die nächste Handelsrevolution vorbereitet

Im digitalen Handel übernimmt Künstliche Intelligenz zunehmend konkrete Aufgaben statt nur zu unterstützen. Visa treibt diesen Wandel mit neuen Angeboten voran und macht KI selbst zum Akteur im Bezahlprozess.

KI als Einkaufsagent: Digitale Assistenten übernehmen den Bezahlvorgang.
KI als Einkaufsagent: Digitale Assistenten übernehmen den Bezahlvorgang. © Visa

Visa stellt sein Geschäftsmodell auf die nächste Stufe des digitalen Handels: Künstliche Intelligenz soll nicht nur beraten, sondern eigenständig einkaufen, Preise verhandeln und Zahlungen auslösen – immer im Auftrag und unter Kontrolle der Menschen. Mehrere neue Initiativen und Produkte zeigen, wie konsequent der Konzern diese Entwicklung vorantreibt.

KI-Agenten als neue Einkaufsmacht: „Agentic Commerce“ kommt nach Europa

Mit dem Programm „Visa Agentic Ready“ startet Visa in Europa eine Testumgebung für den KI‑gestützten Handel. Banken und ausgewählte Händler können dort erproben, wie von KI-Agenten ausgelöste Transaktionen unter realen Bedingungen sicher und in großem Maßstab funktionieren.

  • Startregion ist Europa
  • zu den ersten Teilnehmern zählen unter anderem Commerzbank und DZ Bank,
  • weitere Kartenherausgeber aus zahlreichen Ländern – von Barclays und HSBC UK bis Revolut und Banco Santander – sind ebenfalls an Bord.

Das Programm soll klären, wie KI-Systeme im Alltag Zahlungen auslösen können, ohne dass die Kontrolle über Geldflüsse verloren geht. Technische Basis sind etablierte Verfahren wie Tokenisierung, biometrische Authentifizierung, Passkeys und andere starke Sicherheitsmechanismen, die in Europa bereits weit verbreitet sind. Ziel ist, jede KI‑Transaktion eindeutig einer realen Person zuordnen zu können.

Visa beschreibt diesen Wandel als Übergang hin zu einem intelligenten, programmierbaren Handel, bei dem Agenten flexibel auf Absicht, Kontext und Vorgaben der Kunden reagieren. Während der Einkauf im Hintergrund zunehmend automatisiert wird, sollen Verbraucher jederzeit Limits, Regeln und Freigaben definieren und anpassen können.

B2AI: Wenn KI-Systeme selbst verhandeln und bestellen

Parallel dazu skizziert Visa mit dem Konzept Business‑to‑AI (B2AI) die nächste Entwicklungsstufe des Handels: KI‑Agenten werden zu aktiven Marktteilnehmern – sie bewerten Angebote, verhandeln Konditionen und schließen Geschäfte ab, während der Mensch die Ziele vorgibt und verantwortlich bleibt.

Laut dem Visa Business‑to‑AI (B2AI) Report, der gemeinsam mit Morning Consult erstellt wurde, zeigt sich, wie weit dieser Trend bereits fortgeschritten ist:

  • Fast 40 Prozent der US‑Verbraucher haben schon einen Kauf getätigt, den sie ohne ein KI‑Tool oder einen KI‑Assistenten nicht in Betracht gezogen hätten.
  • 53 Prozent der befragten US‑Unternehmen wären bereit, KI‑Agenten direkt mit anderen KI‑Systemen über Preise oder Vertragsbedingungen verhandeln zu lassen.
  • 71 Prozent der Unternehmen geben an, Produkte, Angebote und Nutzererlebnisse gezielt für KI‑Agenten optimieren zu wollen.
  • 77 Prozent nutzen KI bereits in ihren Abläufen oder testen sie in Pilotprojekten.

Damit rückt ein Szenario näher, in dem Marken nicht mehr nur für Menschen werben, sondern gezielt mit intelligenten Systemen interagieren, die im Auftrag von Kunden oder Unternehmen Entscheidungen vorbereiten oder selbst ausführen.

Verbraucher wollen Komfort – aber mit Notbremse

Die Studie zeigt zugleich, dass Konsumentinnen und Konsumenten durchaus bereit sind, KI mehr Verantwortung zu überlassen – solange die Kontrollmöglichkeiten klar geregelt sind:

  • 58 Prozent der US‑Befragten fühlen sich wohl damit, wenn KI Preise vergleicht.
  • 55 Prozent akzeptieren, dass KI automatisch Rabatte anwendet.
  • 38 Prozent sind einverstanden, dass KI den Kaufabschluss übernimmt.

Sobald es aber um vollständig autonome Ausgaben geht, sinkt die Zustimmung deutlich:

  • Nur 27 Prozent wären damit einverstanden, KI ohne finanzielle Grenzen Geld ausgeben zu lassen.
  • 60 Prozent würden es nicht erlauben, dass KI irgendwelche Beträge ohne vorherige Zustimmung ausgibt.

Vertrauen ist der Knackpunkt – und klassische Finanzakteure haben hier einen Vorteil. So geben:

  • 36 Prozent an, bankgestützten KI‑Systemen zu vertrauen,
  • 35 Prozent setzen Vertrauen in KI, die über ein Zahlungsnetzwerk wie Visa abgesichert ist,
  • nur 28 Prozent vertrauen unabhängigen KI‑Agenten ohne Anbindung an Finanzinstitute.

Vor allem jüngere Generationen treiben die Entwicklung: Beinahe die Hälfte der Gen Z (48 Prozent) vertraut laut Bericht KI‑Systemen, die über ein Zahlungsnetzwerk abgesichert sind – deutlich mehr als in der Babyboomer‑Generation. Viele junge Nutzer von KI‑Shopping‑Assistenten berichten zudem, durch Empfehlungen der Systeme Käufe getätigt zu haben, die sie sonst nicht erwogen hätten.

„Intelligent Commerce Connect“: Das technische Bindeglied für KI-Shopping

Um Unternehmen den Einstieg in diese neue Welt zu erleichtern, bringt Visa mit „Intelligent Commerce Connect“ eine neue Lösung aus dem Visa Intelligent Commerce‑Portfolio an den Start. Sie dient als „On‑Ramp“ für agentischen Handel und ist:

  • netzwerk‑agnostisch,
  • protokoll‑agnostisch,
  • und unabhängig von einzelnen Token‑Vault‑Anbietern konzipiert.

Die Idee: Egal ob ein Unternehmen selbst KI‑Agenten entwickelt, an diese verkauft oder Transaktionen im Hintergrund verarbeitet – der Einstieg in AI‑getriebene Bezahlprozesse soll über eine einzige Integration laufen, nämlich die Visa Acceptance Platform. Darüber lassen sich:

  • Zahlungen von KI‑Agenten sicher initiieren,
  • Zahlungsdaten tokenisieren,
  • Ausgabenlimits und Kontrollen hinterlegen,
  • und Authentifizierungsmechanismen einbinden.

Ein wichtiger Punkt: Intelligent Commerce Connect unterstützt sowohl Visa‑Karten als auch Karten anderer Netzwerke, deren Programmierschnittstellen (APIs) angebunden werden können. So können KI‑Agenten mit verschiedenen Zahlungsmitteln agieren, während Händler über eine zentrale Infrastruktur Zahlungen akzeptieren.

Zu den ersten Pilotpartnern gehören unter anderem Aldar, AWS, Diddo, Highnote, Mesh, Payabli und Sumvin. Im Laufe des Jahres sollen weitere Unternehmen folgen.

Was das für Handel, Banken und Verbraucher bedeutet

  • Für Händler eröffnet sich ein neuer Vertriebskanal: Produkte und Dienstleistungen müssen so aufbereitet werden, dass KI‑Agenten Kataloge, Preise und Spezifikationen auslesen, vergleichen und direkt buchen können.
  • Für Banken und Zahlungsdienstleister entsteht ein neues Spielfeld, um Vertrauen in KI‑basierte Zahlungen zu schaffen und ihre Rolle als Sicherheitsanker in einer automatisierten Handelswelt auszubauen.
  • Für Verbraucher heißt das: mehr Komfort durch automatisierte, personalisierte Beschaffung – aber auch die Notwendigkeit, klare Regeln und Grenzen für ihre digitalen Stellvertreter zu setzen.

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Jessica Krause

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