Handy-Bezahlsysteme

Alle Jahre wieder

Wird das Smartphone zur Kreditkarte?

Smartphones sind kleine Alleskönner. Die eigentliche Telefon-Funktion dieser Hightech-Geräte tritt immer mehr in den Hintergrund. Pionier und Synonym der Smartphones ist das Apple iPhone, für das bereits über 200 000 so genannte „Apps“ (kleine hilfreiche Programme, wie z. B. ein Kompass) angeboten werden. Das iPhone soll bereits als Kartenlesegerät fungieren. Warum also nicht gleich ein neues Bezahlsystem aufsetzen und die Kreditkarte gänzlich ablösen?

Mobilfunkriesen forcieren Kreditkartenfunktion der Smartphones
Dieser Gedanke wird nun intensiv von dem US-amerikanischen Mobilfunkriesen AT&T und Verizon Wireless in Kooperation mit T-Mobile USA verfolgt. Bislang gibt es schon die Möglichkeit kleine Beträge, zum Beispiel Park- oder Fahrscheine, mit dem Handy zu bezahlen. Jetzt aber wollen die genannten Unternehmen ein ganz neues Bezahlsystem etablieren und Kreditkarten durch Smartphones ersetzen. Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll den Smartphone-Usern in einem Test in vier amerikanischen Großstädten das kontaktlose Bezahlen via Funk ermöglicht werden. Als Finanzdienstleister bieten sich Barclays und Discover Financial Services an.

Neuer Druck für Kreditkartenanbieter
Mit dem neuen Bezahlsystem sollen die US-Kreditkartengesellschaften unter Druck gesetzt werden. Diese arbeiten selbst schon seit Jahren an eigenen Handy-Bezahlsystemen: Im Herbst 2008 kündigte Visa eine Kooperation mit Nokia an. Ein Jahr später sprach nur noch Nokia von einem mobilen Zahlungssystem auf der Basis von Obopay (US-Provider mobiler Bezahlsysteme), das unter dem Namen „Nokia Money“ im Frühjahr 2010 eingeführt werden sollte. MasterCard hatte das System „PayPass“ schon Ende 2004 in Filialen von MacDonalds in Dallas und New York eingeführt. Inzwischen ist das System weiter entwickelt worden: Der entsprechende RFID-Chip soll künftig auf die Rückseite eines Mobiltelefons geklebt werden und nicht wie bislang in Kreditkarten integriert sein.

Schwellenländer im Vorteil
In Schwellenländern gibt es schon seit Jahren funktionierende Handy-Bezahlsysteme. In diesen Ländern haben jedoch weitaus mehr Bürger ein Mobiltelefon als ein Bankkonto. In den Industrieländern der nördlichen Hemisphäre konnte sich ein solches Bezahlsystem bislang nicht durchsetzen. Kein Wunder, denn das vorhandene System funktioniert und es gibt nicht genügend Kunden, die ein Handy-Bezahlsystem nachfragen und nicht genügend Händler, die ein solches System anbieten. Letztere müssten außerdem etwa 150 Euro in ein neues Lesegerät investieren. Die Aufrüstung der Smartphones kostet vermutlich zwischen zehn und 15 Dollar. Entsprechend kann ein neues Handy-Bezahlsystem nur ergänzend zum bestehenden, kartengestützten System funktionieren.

Die US-Consultingfirma Mercatus geht aber davon aus, dass 2015 fast die Hälfte der US-Konsumenten und 80 Prozent der 18- bis 34-Jährigen mit ihrem Handy bezahlen, gehe doch insbesondere die jüngere Generation im Alltag sehr intensiv mit dem Mobiltelefon um.

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